Was glauben Sie, welche Beziehung hat die statistisch besseren Chancen: die, die in der
Disco oder im
Büro zustande kommt, oder die, bei der sich die Partner über das
Internet kennen gelernt haben? Wenn Sie jetzt auf letztere Möglichkeit getippt haben, liegen Sie goldrichtig. Um ein Viertel länger halten Partnerschaften, die online zustande gekommen sind, als solche, die im "echten Leben" entstehen! Das hat die gerade veröffentlichte "Erste deutsche Digital-Charta" ans Tageslicht gebracht. Ihr Herausgeber, Prof. Jo Groebel, führt diese interessante Tatsache auf verschiedene Ursachen zurück: Einmal, so meint er, seien Menschen im Internet ehrlicher als im wirklichen Leben - zumindest, was ihre persönlichen Gedanken und Gefühle angeht. Offensichtlich fällt es uns im Schutz der digitalen Anonymität leichter, über Emotionales zu reden, als wenn wir einander Auge in Auge begegnen. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch virtuelle Flunkereien gäbe! Aber dass die besondere Situation vor dem Computer schneller zu intimen Gesprächen verlockt als die Kneipe nebenan, wo man doch eher zum oberflächlicheren "Wetter-Lieblingsfilm-Hobbys"-Smalltalk neigt, weiß wohl jeder, der auf beiden Wegen schon einmal geflirtet hat. Ebenfalls förderlich für die Entstehung der Liebe sind die E-Mails, die die meisten Partnersuchenden vor einem ersten Date auszutauschen pflegen, sagt Groebel. Sie entspannen die Atmosphäre bei der ersten Begegnung im wirklichen Leben - man weiß schon so Einiges voneinander; die Suche nach Gesprächsthemen ist einfacher, es besteht bereits eine gewisse Gemeinsamkeit, an die es sich leichter und lockerer anknüpfen lässt. Die Chance auf einen angenehmen, harmonischen Abend ist einfach größer, wenn man einander schon ein wenig einschätzen kann, beispielsweise eine Ahnung davon hat, welchen Humor der andere schätzt und wo er eher gequält das Gesicht verzieht und auf die Uhr zu schauen beginnt.
Last but not least verweist Groebel zu Recht auf die wesentlich größere Anzahl potenzieller Partner im Netz, die man sich ganz in Ruhe erst mal anschauen und sortieren kann, in der angenehmen Gewissheit, dass sie alle ebenfalls auf der Suche nach der großen Liebe sind (und nicht etwa dummerweise mit dem Muskeltypen verheiratet, der da gerade vom Herrenklo zurückkommt, während man selbst gerade erste Anbaggerversuche startet.) Er spricht von einem "emotionalen Supermarkteffekt" - naja, über die Wortwahl kann man natürlich streiten, aber inhaltlich hat der Mann sicher Recht, auch wenn wir es gerne etwas romantischer formuliert gehabt hätten. Aber so oder so: Sie dürfen sich als
Flirt-und-Liebe-Nutzer wieder einmal entspannt vor Ihrem Bildschirm zurücklehnen in dem beruhigenden Gefühl, dass Sie partnersuchtechnisch gerade absolut auf der Überholspur der Zukunft unterwegs sind. Schätzungen zufolge werden nämlich schon im Jahr 2025 rund 30 % der westeuropäischen Paare auf die Frage, woher sie sich kennen, mit "aus dem Internet" antworten. Und da die Online-Lieben ja so überdurchschnittlich haltbar sind, können Sie sich dann auf Ihrer Silberhochzeit als einer der Pioniere dieser neuen Form der Suche nach dem großen Glück feiern lassen!